Dienstag, 7. März 2017

2017 gelesen.

 Literaturverzeichnis (Auswahl):



"Alles in allem scheint die Geschichte des Denkens, der Erkenntnisse, der Philosophie, der Literatur die Brüche zu vervielfachen und alles Sträuben der Diskontinuität zu suchen, während die eigentliche Geschichte, kurzum die Geschichte zu Gunsten der nichtlabilen Strukturen das Hereinbrechen der Ereignisse auszulöschen scheint." (Einleitung)

Michel Foucault:

Archäologie des Wissens

(c) 1969  "L'Archéologie du savoir"


"Ach, vanitas vanitatum! Wer von uns ist auf dieser Welt ganz glücklich? Wem werden alle seine Wünsche erfüllt? Und wenn sie uns erfüllt werden, sind wir dann wohl zufrieden?

Kommt, Kinder, laßt uns die Puppen einsperren und die Bude zuschließen, denn unser Spiel ist nun aus." (S. 913, letzte Sätze.)


William M Thackeray:

Jahrmarkt der Eitelkeit

Erstausgabe 1848



"Scharfblick, o Bester, sprach ich [Sokrates], müssen sie mitbringen und nicht schwer lernen. Denn viel eher noch wird die Seele mutlos bei schwierigen Kenntnissen, als bei Leibesübungen. Denn die Anstrengung ist ihr eigentümlicher, weil sie ausschließend ist und sie sie nicht mit dem Körper teilt." (Politeia, 535 b)

Platon:

Sämtliche Werke
Band 2

Lysis, Symposion, Phaidon, Kleitophon, Politeia, Phaidros

(428/27 - 345/47 v. Chr.)


"Hat sich dein Wahn einmal erst
Vom Wirrsal allen Wahns entfernt,
Erfasst ein wahrer Ekel dich
Vor allem, was du einst gelernt."
(Zweiter Gesang, 52)

Bhagavadgita

ca. 300 v.Chr.

"Wir kommen also aufgrund der hier ausgebreiteten Kenntnis über die neuronalen Grundlagen affektiver Zustände zu der jedem Menschenkenner vertrauten Einsicht, dass Gefühle den Verstand eher beherrschen als der Verstand die Gefühle. Das ist auch gut so, denn unsere konditionierten Gefühle sind nichts anderes als konzentrierte Lebenserfahrung. Menschen, die scheinbar rein verstandesmäßig und unemotional reagieren, sind in Wirklichkeit psychisch kranke Menschen. Patienten ohne orbitofrontalen Cortex und Amygdala sind trotz "richtiger" Einsicht gar nicht in der Lage, dieser Einsicht zu folgen. Ohne Gefühle und Motive, die uns antreiben, sind wir rein passive Wesen, wie großartig unser Verstand auch arbeiten mag." (S. 321)

Gerhard Roth

Fühlen, Denken, Handeln
Wie das Gehirn unser Verhalten steuert

(c) 2001 Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main



"Wen rief sie in iherer Todesnot, daß er ihr helfen sollt'? Eines fremden Mannes, eines Christen Namen. Sie hat den Römischen Kaiser einmal, ein einziges Mal gesehen, damals, als er durch die Altstadt in das Judenquartier ritt, und die Ältesten und die Räte erwarteten ihn, die Trompeter bliesen und der hohe Rabbi hielt die Thora in den Händen. - Ihre Stimme, dieser Schrei in der Todesnot: Rudolfe, hilf! War er es, den sie so rief? War es ein anderer, von dem ich nichts weiß? Weh' mir, ich werde es nie erfahren." (S. 227)

Leo Perutz

Nachts unter der steinernen Brücke

1924/1951

(c) 10. Auflage 2016, dtv Verlagsgesellschaft, München



"Zur verabredeten Stunde war er bei Mouna. Dort fand er eine Nachricht von ihr vor, die besagte, daß sie im Augenblick außerstande sei, ihm zu helfen, daß sie Erholung nötig habe und zur Thermalkur nach Deutschland führe in eine Gegend, die er nicht kenne, und daß sie sich wiedersehen könnten, wenn er das wollte. Sie sei um den 20. März herum zurück. Jetzt war der erste. Er hatte Zeit genug, sie zu vergessen oder auf sie zu warten, so wie er auch Zeit genug hatte, Sybil zu vergessen oder auf sie zu warten. Jedenfalls aber Zeit genug zu leiden." (Letzter Absatz)


Francoise Sagan

Adieu amour


Aus dem Französischen von
Irmelind Trempler
(c) OA 1996 - d.A. 1998




"Nichts kommt je an sein Ende. Aoibheann stammte aus einer reichen irischen Familie, der Familie Quinlan, die mit Bankgeschäften und Fertiggerichten im Lauf der Zeit ein beachtliches Vermögen angehäuft hatte. Michael Quinlan, ihr Vater, war regelmäßig auf den Wirtschaftsseiten der Zeitungen zu sehen. Allerdings hatten sich Vater und Tochter einander entfremdet, wie es schien, möglicherweise wegen ihrer Ehe mit Manyaki." (S. 362)


Colum McCann:

Transatlantik

Aus dem Englischen von
Dirk van Gunsteren

(c) OA 2012 - d.Ü. 2014 Rowohlt


"Die Krankenschwester, den Korb auf Armeslänge vor sich hin haltend, als trage sie eine Bettpfanne, öffnete die Tür zu einem großen, trockenheißen Raum mit grünlich verfärbten Wänden, wo in der alkohol- und jodformgeschwängerten Luft ein dünnes, jämmerliches Geschrei aus zahllosen anderen Körben hing. Als sie ihren Korb hinstellte, blickte sie mit geschürzten Lippen hinein. Das Neugeborene krümmte sich kläglich in der Watte wie ein Knäul Regenwürmer." (S. 5)

John Dos Passos:

Manhatten Transfer

(OA 1923, 1953; d.A. 1959)



"494 v. Chr.: Milet brennt. - Damit beginnt das sechste Buch der Historien Herodots. Der Ionische Aufstand ist niedergeschlagen. Nur wenige Jahre später schicken die Perser Gesandte nach Hellas und fordern Stadt für Stadt die Unterwerfung. Bleibt den Hellenen eine Alternative? Athen widersetzt sich und sieht sich 490 bei Marathon einem übermächtigen Herr gegenüber. Doch es gelingt das, was niemand erwartet hätte: Die Athener siegen und schlagen die Perser in die Flucht." (Klappentext)


Herodot:

Historien
6. Buch

(ca. 5. Jahrhundert vor Chr.)



"Aufzuzeigen, wie diese [Geschlechterarrangements] genau funktionieren, also die Organisation von Geschlecht im translokalen Hardcore darzulegen, war das Ziel dieser Untersuchung. Zugleich bedeutete diese Organisation zu beschreiben auch, zu demonstrieren, welche Absprachen es weltweit unter hardcore kids gibt, wie mit Geschlecht umzugehen ist und wie diese im gemeinsamen Handeln eingesetzt, verhandelt und standardisiert werden, wie Geschlecht interaktionell hergestellt wird, wie es erlent wird, wer was über Geschlecht weiß, und was die Ressourcen für dieses Wissen sowie die gemeinsamen Absprachen sind. Dies sind genau die Punkte, denen ich in dieser Untersuchung Schritt für Schritt nachgegangen bin." (Schlussbetrachtungen, S. 366)



 Marion Schulze:

Hardcore & Gender
Soziologische Einblicke in eine globale Subkultur

(c) 2015 transcript Verlag, Bielefeld


"Die Welt ist schön, wenn man sie nimmt, wie sie ist: Für eine Sekunde kam ihm der naive Gegensatz des Üppigen und des Kargen, wie er sich an diesen beiden Frauen ausdrückte, so groß vor wie der zwischen Wiese und Stein an der Felsgrenze, und er hatte das Gefühl, der Parallelaktion zu entsteigen, wenn auch mit einem schuldbewußten Lächeln. Als Gerda dieses Lächeln langsam hernieder - und ihrer hingestreckten Hand entgegensinken sah, zitterten ihre Augenlieder." (S. 1014)

Robert Musil:

Der Mann ohne Eigenschaften
1

Herausgegeben von Adolf Frisé
Neu durchgesehene und verbesserte Ausgabe 1978



"Ob der es trotz der Million Mitgift und den noch in Aussicht stehenden Millionen mit der Halbjüdin Etelka geb. Seliger riskieren darf, ist nun doch sehr die Frage, selbst wenn du dich wegen der Waldburg einmal von den protestantischen und wegen der Immenhausen einmal von dem katholischen Pfarrer taufen ließest, Telkelchen, denn die Immenhausen sind alter Salzburgischer Adel. Wie man sagt, direkte Nachkommen von einem Erzbischof, der den Kindern seiner Haushälterin in Wien Namen und Titel zu verschaffen wußte. Dem Verdienste seine Krone." (S. 104)

Edward Stilgebauer:

Der Börsenkönig

(1907)


"Hesiod aus Askra in Böotien ist der erste namentlich bekannte Dichter in der Geschichte der Weltliteratur, in die er mit seinen beiden Hexameter-Gedichten "Werke und Tage" und "Theogonie eingegangen ist. Als "ein Diener der Musen" besingt er die Entstehung der Welt aus dem Chaos bis zur Machtergreifeung des Zeus, eine Geschichte von Kämpfen mit den Titanen und anderen Ungeheuern, schließlich die olympische Herrschaft des Zeus selbst. Eine Fundgrube der klassischen Göttermythen, die hier zum ersten Mal in einem für Jahrhunderte maßgeblichen "Volksbuch" schriftlich fixiert wurden." (Klappentext)

Hesiod:

Theogonie

(ca. 5. Jahrhundert v. Chr.)


"Dazu ist mehr Strom nötig denn je, denn die Spannung soll mehrere Millionen Volt erreichen. Gregor hat sich zu diesem Anlass feierlich gekleidet: glänzende Kopfbedeckung, brandneue Handschuhe aus hellem Pekarileder, zweireihiger Gehrock. Er zählt den Countdown vor und hält die Luft an, und dann, als sein Assistent den Hebel umlegt, expoldiert ein gewaltiger Blitz über der Station, in der sich eisblaues Licht und starker Ozongeruch ausbreiten, während gigantische, wolkenkratzerhohe Blitze mit lauter donnerndem Getöse denn je aus dem Mast schießen." (S. 83-84)

Jean Echenoz:

Blitze

(c) 2010 - 2012 d. dt. A.


"Im fünften Buch seiner Historien schildert Herodot zunächst den Feldzug Dareios' I. nach Thrakien und beginnt dann mit dem zentralen Thema seiner Historien - der direkten Auseinandersetzung zwischen Griechen und Persern. Auslöser ist die Erhebung der griechischen Städte in Ionien (Westkleinasien) gegen die Perserherrschaft. Die Anfänge dieses "Ionischen Aufstands" beschreibt Herodot ausführlich und stellt dabei besonders die Rolle des Aristagoras von Milet heraus." (Klappentext)

Herodot:

Historien
5. Buch

(5. Jahrhundert v. Chr.)


"In seinem Lehrgedicht schildert Hesiod, wie - durch Prometeus und Pandora- Übel und Not auf die Erde kamen und wie sie durch Arbeit und rechtliche Gesinnung überwunden werden können. Der Arbeitskalender des griechischen Bauern schließt sich an, der 'Wahl des richtigen Tages' ist der Schlußabschnitt gewidmet. Der Dichter vergißt aber auch nicht, gute Ratschläge für rechtes Verhalten gegenüber Nachbarn und Göttern zu geben." (Klappentext)

Hesiod:

Werke und Tage


(ca 8./7. Jahrhundert v. Chr.)



"Franz, warum seufzt du, Franzeken, warum muß Eva immer anschlüpfen und dich fragen, was du denkst, und kriegt keine Antwort und muß immer weg ohne Antwort, warum bist du beklommen, und duckst dich, duck, duck, kleiner Winkel, kleiner Vorhang, und du machst nur kleine, winzige Schritte? Du kennst das Leben, du bist nicht gestern auf die Erde gefallen, du hast einen Geruch für die Dinge, und du merkst was. Du siehst nichts, du hörst nichts, aber du ahnst es, du wagst nicht, die Augen darauf zu richten, du schielst beiseite, aber du fliehst auch nicht, dazu bist du zu entschlossen, du hast die Zähne zusammengebissen, du bist nicht feige, aber du weißt nicht, was geschehen kann und ob du es auf dich nehmen kannst, deine Schultern stark genug sind, es auf sich zu nehmen." (S. 424)

Alfred Döblin:

Berlin Alexanderplatz

1929 bei S. Fischer


"Vor allem die Skythen präsentiert er im Rahmen seiner Beschreibung von Dareios' Skythenfeldzug gleichsam als Gegenbild zu den bereits vorgestellten Ägyptern: Erscheinen jene im zweiten Historien-Buch als das älteste Volk, sesshaft und geschichtsbewusst, begegnen uns die Skythen hier als sehr junges Volk, das nomadisch lebt und an der eigenen Vergangenheit nicht interessiert ist." (Klappentext)

Herodot:

Historien - 4. Buch

(5. Jahrhundert v. Chr.)



"Wir haben die Schwächung oder Entziehung edler Sinne erwogen, von der vorzugsweise das Alter betroffen wird, unmittelbar an Glieder des Leibs gebunden, greift sie doch wesentlich zugleich den Geist an. Es bleibt übrig, der eigentlich geistigen Nachtheile zu gedenken, die dem Alter vorgehalten, der Vortheile, die ihm eingeräumt werden." (S. 28)

Jacob Grimm:

Rede über das Alter

1863


"Das Schicksal des Kambyses dient Herodot im dritten Buch dazu, einen Teil seiner Weltsicht zu artikulieren: Kambyses begeht einen Religionsfrevel, wird vom Wahnsinn befallen und stirbt. Nicht ohne Hintergedanken findet sich in diese Schilderungen eingebettet die berühmte Episode vom Ring des Polykrates. - Auf den Perserthron folgt schließlich Dareios, dessen ordnenden Maßnahmen die zweite Hälfte des Buches gewidmet ist; mit dem Bericht von Dareios' Eroberung des aufständischen Babylon findet es seinen Abschluss." (Klappentext)

Herodot:

Historien - 3. Buch

(um 7.-6. Jahrhundert v. Chr.)




"Das ultimative Ziel des Drehbuchschreibens ist es, eine emotionale Reaktion zu erwirken, zuerst bei der Person, die das Drehbuch liest, später dann beim Publikum, das schließlich Geld bezahlt, um Ihren Film zu sehen." (S.34)

Christopher Keane:

Schritt für Schritt zum erfolgreichen Drehbuch

(c) 2002/2010 Autorenhaus Verlag GmbH, Berlin


"Justus und Bob fahren herum. Peter saß auf einer Regentonne und lachte sich fast kaputt. Es dauerte einen kurzen Moment, bis Justus und Bob in sein Lachen einfielen. "Klar, du kleiner irrer Skateragent", sagte Justus liebevoll." (letzte Seite, letzter Absatz)

Die drei ???

Skateboardfieber
(c) 2010


"Das zweite Buch nimmt im Gesamtwerk der Historien eine Sonderstellung ein. Der Einfall des Perserkönigs Kambyses in Ägypten liefert den Anlass zu einer fast das ganze Buch umfassenden Beschreibung des Landes, seiner Sitten und Gebräuche, insbesondere seiner Religion. Trotz aller Fabulierlust des von der Fremdheit seines Sujets faszinierten Autors ist diese erste ausführliche Darstellung des Alten Agypten durch einen Griechen von unschätzbarem kulturhistorischen Wert bis auf den heutigen Tag." (Klappentext)

Herodot:

Historien - 2. Buch
(um 700 v. Chr.)


"Klopstock veröffentlichte zuerst 1748 die ersten drei Gesänge seines Messias-Epos, die hier in einer ausführlich kommentierten Studienausgabe vorgelegt werden." (Klappentext)


Friedrich Gottlieb Klopstock:

Der Messias
Gesang I-III
Text des Erstdrucks von 1748



"Dies waren die Verse, die sich entziffern ließen. Die übrigen, deren Schrift die Zeit zerfressen hatte, wurden einem Akademiemitglied übergeben, damit er sie vernünftig zu erhellen suche. Es ist überliefert, dass er dies unter vielen Nachtwachen und Mühen auch tat und sie ans Licht der Öffentlichkeit bringen will, in der Hoffnung auf eine dritte Fahrt des Don Quijote.
Forse altro canterà con miglior plectro." (S. 587)

Miguel de Cervantes Saavedra:

Der geistvolle Hidalgo Don Quijote von der Mancha
(1604)

Neu übersetzt von Susanne Lange
(2008)


In kultureller Hinsicht gewannen, nicht zuletzt unter amerikanischem Einfluss, Massenphänomene an Bedeutung: Medien, Unterhaltung und Konsum verließen endgültig die überkommenen Bahnen. Auch in den Lebensweisen der Menschen hielt, allen ökonomischen Krisen zum Totz, die Zukunft Einzug: Geschlechterollen, Wohnformen, Arbeitswelt und Sport unterlagen einschneidenden Veränderungen. In der Kunst buhlten Avantgardisten und Traditionelle um die Aufmerksamkeit einer kritischen Öffentlichkeit." (Klappentext)

Peter Hoeres:

Die Kultur von Weimar. Durchbruch der Moderne

(2008)


"Dieses Buch muß als eine vergleichende Studie gelesen werden. Meine Absicht war nicht, auf der Basis eines bestimmten Wissenstyps oder Ideenkorpus das Bild einer Epoche zu zeichnen oder den Geist eines Jahrhunderts zu rekonstruieren. Was ich wollte, war, eine bestimmte Zahl von Elementen nebeneinander zu zeigen - das Wissen von den Lebewesen, das Wissen von den Gesetzen der Sprache und das Wissen der ökonomischen Fakten - und sie mit dem philosophischen Diskurs ihrer Zeit in Verbindung zu setzen für einen Zeitraum, der sich vom siebzehnten bis zum neunzehnten Jahrhundert erstreckt." (Foucault, Klappentext)

Michel Foucault:

Die Ordnung der Dinge
(1966)




"Die Quaestiones disputatae de veritate entstanden zwischen 1256 und 1259 und zeigen Thomas' Auseinandersetzung mit den erstarrten Lehrmeinungen der Theologie. Der Band eignet sich insbesondere als Einführung in die Grundlinien des thomistischen Denkens." (Klappentext)

"[...] erörtert Thomas Fragen, denen damals die besondere Aufmerksamkeit der gelehrten Kreise der Universität von Paris, sowohl der Professoren wie auch der Studenten galt." (Einleitung)

Thomas von Aquin:

Von der Wahrheit


"Die Unhaltbarkeit des Schlosses begann erst mit seinem Besuch; als träte alles, was bisher im Dornröschenschlaf gelegen hatte, wieder in die Gegenwart ein. Er beschleunigte den sichtbaren Verfall, riß die Dinge aus ihrer Verborgenheit. Die Stuhlgerippe und versteinerten Schränke, die im Staub vergrabenen Heizkörper, die Tapetenfossilien. Alle Unbilden, mit denen ich mich arrangiert, die ich als gegeben hingenommen hatte, in denen ich sogar eine gewisse Herausforderung, ja einen Reiz gesehen hatte, wurden von einem Moment auf den anderen zu unzumutbaren Zuständen, zum endgültigen Niedergang." (S. 320)



Marion Poschmann:

Die Sonnenposition

((c) 2013 Suhrkamp Verlag Berlin



"Als Science-Fiction-Autor, der als Fan angefangen hat, benutze ich meine Geschichten nicht als tarnende Fassade, hinter der ich die gegenwärtige Wirklichkeit kritisiere. Für mich ist der größte Reiz der Science-Fiktion die Erschaffung zahlreicher imaginärer Welten, die außerhalb der Wirklichkeit liegen. Ich war schon immer der Meinung, dass die großartigsten und schönsten Geschichten der Menschheit nicht von fahrenden Spielleuten gesungen oder von Stückeschreibern und Romanautoren verfasst werden, sondern uns von der Wissenschaft zukommen. Die Geschichten der Wissenschaft sind im Vergleich zu denen der Literatur weit überwältigender, prachtvoller, vertrackter, tiefgründiger, spannender, seltsamer, erschreckender, geheimnisvoller und sogar gefühlvoller. Nur sind diese wunderbaren Geschichten in kalte Gleichungen eingesperrt, die die meisten Menschen nicht lesen können." (Nachwort des Autors)

Cixin Liu

Die drei Sonnen

(2017)



"Herodot aus Halikarnassos (um 484 - um 425 v. Chr.), schon von Cicero als pater historiae (Vater der Geschichte) bezeichnet, schrieb sein Geschichtswerk, "damit die von Menschen vollbrachten Taten nicht mit der Zeit in Vergessenheit geraten und die großen und bewunderungswerten Leistungen der Griechen und Nichtgriechen nicht ohne Nachruhm bleiben".
Das 1. Buch enthält die Geschichte des steinreichen Lyderkönigs Kroisos (Kandaules und Gyges; Solon; Ursprünge Athens und Spratas) und des Perserkönigs Kyros, der Kroisos besiegte und sich ein gewaltiges Reich unterwarf." (Klappentext)

Herodot:

Historien
1. Buch
Griechisch/Deutsch




 „Ich habe meine Methode in dieser Schrift so genommen, wie ich glaube, daß sie die schicklichste sei, wenn man vom gemeinen Erkenntnisse zur Bestimmung des obersten Princips desselben analytisch und wiederum zurück von der Prüfung dieses Princips und den Quellen desselben zur gemeinen Erkenntniß, darin sein Gebrauch angetroffen wird, synthetisch den Weg nehmen will. Die Einteilung ist daher so ausgefallen:

1. E r s t e r  A b s c h n i t t: Übergang von der gemeinen sittlichen Vernunfterkenntniß zur philosophischen.

2. Z w e i t e r  A b s c h n i t t: Übergang, von der populären Moralphilosophie zur Metaphysik der Sitten.

3. D r i t t e r  A b s c h n i t t: Letzter Schritt von der Metaphysik der Sitten zur Kritik der reinen praktischen Vernunft.“ (Vorrede)


Immanuel Kant:

Grundlegung zur Metaphysik der Sitten 
(1785)





Günter Grass:

Mein Jahrhundert
(c) 1999

"Der Ordnung halber hat man die Boxer auf dem Platz am Chienmentor, direkt vor der Mauer, welche die Mangschustadt vom gewöhnlichen Teil Pekings trennt, zusammengetrieben. Ihre Zöpfe waren aneinandergebunden, was komisch aussah. Dann wurden sie in Gruppen erschossen oder einzeln geköpft. Doch über das Grausige hab ich meiner Verlobten kein Sterbenswörtchen geschrieben, nur über hundertjährige Eier und Dampfknödeln auf chinesische Art."
(S. 8 - "1900")

Sonntag, 7. August 2016

Nobelpreisträgerinnen und Nobelpreisträger Literatur





1901

Sully Prudhomme
(1839–1907)
Franzose

„als Anerkennung seiner ausgezeichneten, auch noch in späteren Jahren an den Tag gelegten Verdienste als Schriftsteller und besonders seiner Dichtungen, die hohen Idealismus, künstlerische Vollendung und eine seltene Vereinigung von Herz und Geist bezeugen“


 1902

Theodor Mommsen
(1817–1903)
Deutscher

„dem gegenwärtig größten lebenden Meister der historischen Darstellungskunst, mit besonderer Berücksichtigung seines monumentalen Werkes ‚Römische Geschichte‘“





1903

Bjørnstjerne Bjørnson
(1832–1910)
Norwege

„als ein Beweis der Anerkennung für seine edle, großartige und vielseitige Wirksamkeit als Dichter, die immer durch einmalige Frische der Eingebung und durch eine seltene Seelenreinheit ausgezeichnet war“








1904 (doppelt vergeben)

Frédéric Mistral
(1830–1914)
Franzose

„mit Bezug auf die frische Ursprünglichkeit, das Geistreiche und Künstlerische in seiner Dichtung, die Natur und Volksleben seiner Heimat getreu widerspiegelt, sowie auf seine bedeutungsvolle Wirksamkeit als provenzalischer Philologe“










1904  (doppelt vergeben)

José Echegaray
(1832–1916)
Spanier

„mit Bezug auf seine umfassende und geistreiche Verfasserschaft, die auf selbständige und originelle Weise die großen Traditionen des spanischen Schauspiels wiederbelebt hat“





1905

 
Henryk Sienkiewicz
(1846–1916)
Pole

Begründung: ...„auf Grund seiner großartigen Verdienste als epischer Schriftsteller“







 
 

1906

Giosuè Carducci
(1835–1907)
Italiener

Begründung: ... „nicht nur in Anerkennung seiner reichen Gelehrsamkeit und seiner kritischen Forschungen, sondern vor allem als eine Huldigung für die plastische Energie, die Frische des Stils und die lyrische Kraft, die seine poetischen Meisterwerke auszeichnen“






1907

Rudyard Kipling
(1865–1936)
Brite, geboren in Bombay

Begründung: ... „in Anerkennung der Beobachtungsgabe, der ursprünglichen Einbildungskraft sowie der männlichen Stärke in Auffassung und Schilderungskunst, die die Schöpfungen dieses weltberühmten Schriftstellers auszeichnen“